Do.. Apr. 3rd, 2025
Intime Liebe in der Familie

Die sexuelle Anziehung zwischen nahe Blutsverwandten wird mit dem englischen Begriff „genetic sexual attraction“ bezeichnet, für den es keine genaue deutsche Entsprechung gibt. Ein Vater, der nie im Leben seine erwachsene Tochter getroffen hat, kann sich zum Beispiel von ihr angezogen fühlen. Auch zwischen adoptierten Kindern, die plötzlich ihre Verwandten kennenlernen, kann es plötzlich funken. Das Thema ist psychologisch sehr komplex und es gibt viel, worüber man sich hier den Kopf zerbrechen kann.

Es ist dabei wichtig, erst einmal zu verstehen, wie sexuelle Anziehung funktioniert. Menschen neigen dazu, sich von denen angezogen zu fühlen, die ihnen äußerlich und innerlich ähneln. Selbstverständlich heißt das nicht, dass alle Adoptierten sich von ihren biologischen Eltern oder Geschwistern angezogen fühlen, wenn sie ihnen eines Tages begegnen. Das ist eher selten. Trotzdem hat das Internet dazu geführt, dass es einfacher geworden ist, verlorene Familienmitglieder zu finden – wodurch es zu mehr Fällen kommt, bei denen eng Verwandte einander attraktiv finden.

Pornografie als Möglichkeit, solche Neigungen zu sublimieren

Wenn die Anziehung gegenseitig ist, kann es zu Inzest kommen. Dieses Thema hat in der Literatur immer wieder eine Rolle gespielt. Im Gegensatz dazu kommt es in der Realität praktisch gar nicht vor, dass Verwandte, die miteinander aufwachsen, sich sexuell voneinander angezogen fühlen. Man spricht hier vom Westermarck-Effekt: Das ist der Mechanismus in der Natur, der Inzucht in der Regel verhindert.

Der starke Reiz des Verbotenen führt wohl dazu, dass viele Menschen Fantasien über Sex mit Familienmitgliedern haben. Der Kanal Family Strokes Porn ist zum Beispiel sehr viel beliebter, als so eine Neigung, die nicht gerade dem Mainstream entspricht, vermuten lassen würde.

Unerwünschte Gefühle, innere Konflikte und Therapien

Alle Menschen, denen das passiert, wissen, dass es problematisch ist, nahe Verwandte sexuell zu begehren. Das führt zu inneren Konflikten. Aus diesem Stoff kann große Literatur entstehen, wie man an den Sagen des klassischen Altertums oder neueren Werken wie Max Frischs „Homo Faber“ und Maxim Billers „Die Tochter“ sehen kann. Zu begehren oder danach zu handeln sind aber zwei sehr verschiedene Dinge.

Wenn es jemandem im realen Leben passiert, dass er oder sie sich von einer eng blutsverwandten Person sexuell angesprochen fühlt, ist es auf alle Fälle eine gute Idee, eine Therapie zu machen. Dabei kann man sich heute sicher sein, nicht für solche Neigungen verurteilt zu werden. Gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin wird es gelingen, Wege zu finden, dieser Neigung nicht nachzugehen und den Alltag besser zu bewältigen. Auch bei anderen Fragen rund um die Sexualität ist es immer wohltuend, frei darüber sprechen zu können. Viele Menschen lernen dadurch, zu begreifen, warum sie gewisse Neigungen haben.

Sind solche Gefühle überhaupt real?

Es gibt immer wieder Experten, die behaupten, es sei gar nicht möglich, sich von nahe Blutsverwandten sexuell angezogen zu fühlen, weil es in der Natur den schon erwähnten Schutzmechanismus gibt. Viele glaubhafte und oft anonyme Geständnisse von Betroffenen sprechen aber eine ganz andere Sprache. Man findet solche Aussagen etwa in Reddit-Gruppen und manchmal in Artikeln in Nachrichtenmagazinen.